Lesekreis

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Die Marxistische Aktion Tübingen versteht sich als Zusammenschluss von Menschen verschiedener sozialer und kultureller Herkunft mit dem Ziel des Aufbaus einer starken kommunistischen Organisation in Tübingen und Umgebung. Leitend ist für uns dabei die Einsicht, dass sich unsere Interessen letztlich nicht isoliert von einer gesamtgesellschaftlichen emanzipatorischen Perspektive vertreten lassen, d.h. dass wir nicht für Partikularinteressen kämpfen dürfen, wenn diese nicht auf der Basis eines klaren Klassenstandpunktes, des Standpunktes der ArbeiterInnenklasse, stehen.

Eine wirklich emanzipatorische Perspektive kann nur im Kampf um den Sozialismus (als – durchaus widerspruchsvoller – Übergangsperiode zum Kommunismus) bestehen. Rosa Luxemburg hat die Notwendigkeit dieses Kampfes bereits in aller Deutlichkeit ausgesprochen: „Sozialismus oder Barbarei“ - einen dritten Weg gibt es nicht und kann es nicht geben.

Das Ringen um eine sozialistische Alternative beinhaltet für uns das praktische Engagement gegen Faschismus, Militarisierung, Imperialismus und jegliche Form rassistischer oder sexueller Diskriminierung. Gerade in einer Zeit, in der neofaschistische Organisationen sich zunehmend konsolidieren, Deutschland an imperialistischen Kriegen beteiligt ist, Militarismus und Nationalismus mit allen Mitteln wieder salonfähig gemacht werden sollen und Antisemitismus und Rassismus sich bis weit in die sogenannte ‚Mitte’ der Gesellschaft hinein breit machen, scheint uns dieses Engagement nötiger denn je. Konsequenter Antifaschismus sowie tatkräftiger Widerstand gegen Krieg und Militarismus sind Menschenpflicht, sind notwendiger praktischer Humanismus.

Ebenso nötig ist tatkräftige internationale Solidarität mit all jenen, die überall auf der Welt gegen Ausbeutung und Imperialismus aufbegehren. In der Krise zeigt sich der aggressive Charakter des Kapitalismus und seiner Staaten auch in den Metropolen mit zunehmender Deutlichkeit:

- in der Rhetorik, indem seine Massenmedien gegen “Pleitegriechen” hetzen oder den Sündenbock der Krise in den Hartz IV Empfängen und 1 Euro Jobbern ausmachen, die in “spätrömischer Dekadenz” schwelgen und der Gesellschaft angeblich auf der Tasche liegen;

- in der Praxis, indem er die Kosten der Krise auf genau diese Menschen abwälzt, an ihren elementarsten Bedürfnissen spart, Sozialleistungen kürzt, die medizinische Versorgung immer weiter einschränkt, privatisiert und kommerzialisiert, die Renten zusammenstreicht, Bildungsgebühren erhebt, immer weniger Menschen ein würdiges Leben ermöglicht und die Klassenwidersprüche immer deutlicher verschärft;

- indem er seine Wirtschaftsinteressen nach außen immer offener militärisch durchsetzt und im Innern zu immer drastischeren Mitteln der Überwachung und Repression greift;

- indem er immer offener fremdenfeindlich agiert, rassistische Migrations- und Abschiebungspolitik betreibt und seine Hochburgen in Festungen verwandelt, an deren Grenzen jedes Jahr Menschen an Zäunen und Mauern sterben, im Meer ertrinken, in Lagern gesammelt, eingesperrt, gedemütigt und zurück ins Elend geschickt werden.

Gegen all diese Tendenzen gilt es Widerstand zu organisieren – und dieser Widerstand muss und kann nur international sein! Wir fühlen uns dem kategorischen Imperativ, ‚alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist‘ (Karl Marx) verpflichtet.

Die Losung, die wir diesem System entgegenstellen, heißt Solidarität!

gemeinsam lernen

Weil nun zwar Theorie ohne Praxis leer, ebenso aber Praxis ohne Theorie blind ist, sehen wir dieses Engagement untrennbar verbunden mit der kollektiven, undogmatischen Aneignung der Geschichte und Theorie der ArbeiterInnenbewegung, der antiimperialistischen und antikolonialistischen Befreiungskämpfe und anderer revolutionär-emanzipatorischer Bewegungen. Ohne diese theoretische Arbeit ist konsequenter Antikapitalismus unmöglich und verbleibt letztlich auf dem Niveau eines ziel- und orientierungslosen Aktionismus, der ins Leere läuft, einer Politik, die nur Symptome bekämpft, ohne sich ihrer Ursachen bewusst zu sein.

Gerade heute ist diese Bildungsarbeit umso notwendiger. Seit ihrer Gründung 1949 ist der Antikommunismus in der BRD hegemoniale Staatsdoktrin. Seit der Öffnung der Berliner Mauer und dem Ende der Sowjetunion 89/90 haben sich diese Tendenzen in Deutschland noch verschärft, am deutlichsten durch das systematische Entfernen kommunistischer Inhalte aus den Massenmedien, dem öffentlichen Leben und den Geschichtsbüchern. Der Kapitalismus und seine Apologeten treiben den Kampf um die Köpfe der Menschen an allen Fronten voran, besonders in der Wissenschaft und im Bildungssystem. Marxistische und andere linke Intellektuelle werden systematisch aus den Universitäten verdrängt, kapitalismuskritische Inhalte aus Schulen und Hochschulen verbannt. Die Gesetze des Marktes und der Konkurrenz werden den Menschen als überhistorisch gültige Naturgesetze gepredigt und das Verhalten der Menschen unter diesen Bedingungen zur allgemein menschlichen Natur erklärt.

Die durch den Kapitalismus und seine Krisen verursachten Zerstörungen und Konflikte in Gesellschaft und Umwelt werden den Menschen als eine Art Naturkatastrophen verkauft, die Ausnahmen darstellen, die auf das Fehlverhalten einzelner oder das Wirken einer höheren Macht zurückzuführen sind, und deren Ursachen nicht etwa in der Struktur der herrschenden Ordnung und ihren Gesetzmäßigkeiten selbst zu suchen sind. Eine Alternative zu dieser Ordnung erscheint einer Mehrheit der Menschen momentan undenkbar. Angesichts dieser Situation ist es also umso wichtiger, dass wir uns die nötigen theoretischen Grundlagen einer kritischen Gesellschaftsanalyse, den wissenschaftlichen Sozialismus, selbstständig erarbeiten.

Und ebenso wichtig ist das Wissen um die politische Praxis, also die historischen Erfahrungen, die im Kampf gegen die kapitalistische Ordnung bisher gesammelt wurden: die Klassenkämpfe der ArbeiterInnenbewegung auf der ganzen Welt, der antifaschistische Widerstand, Revolutionen, sozialistischer Aufbau, antiimperialistische Widerstandskämpfe, Konterrevolution und Reaktion. Diese Kenntnisse sind Voraussetzung dafür, dass wir eine der Gegenwart angemessene und in die Zukunft gerichtete Praxis entwickeln.

Jedoch genügt es nicht, dass sich einige Wenige dieses Wissen aneignen. Ziel unserer Bewegung darf nicht sein, uns in Theoriezirkel zu zersplittern und die Emanzipation der Menschen auf dem Reißbrett zu planen. Im Gegenteil!

Die Revolutionäre Bewegung nimmt ihren Anfang nicht im akademischen Elfenbeinturm sondern auf der Straße, in den Betrieben und den Organisationen der Arbeiterschaft, an den Universitäten und Schulen.

Antonio Gramsci schreibt in seinen Gefängnisheften: “Dass eine Masse von Menschen dahin gebracht wird, kohärent und auf einheitliche Weise zu denken, ist eine philosophische Tatsache, die viel wichtiger und origineller ist, als wenn ein philosophisches Genie eine neue Wahrheit entdeckt, die Erbhof kleiner Intellektuellengruppen bleibt. (…) Eine neue Kultur zu schaffen bedeutet nicht nur, individuell originelle Entdeckungen zu machen, es bedeutet auch und besonders, bereits entdeckte Wahrheiten kritisch zu verbreiten, sie sozusagen zu vergesellschaften.”

Und genau diese Vergesellschaftung von Wissen und Fähigkeiten muss Ziel unseres gemeinsamen Lernprozesses sein. Da, wie Lenin schreibt, die Massen das revolutionäre Bewusstsein nicht von sich aus entwickeln, ist es die Aufgabe der KommunistInnen, es in sie hineinzutragen. Damit meinte Lenin keinen Akt des Aufzwingens oder der unterschwelligen Manipulation, sondern einen des gemeinsamen Begreifens der eigenen Interessen durch den Kampf und die Diskussion. Es gilt, kollektiv und kontinuierlich voneinander zu lernen und einander zu lehren, nur so lässt sich eine Organisation schaffen, die als ganze schlagkräftig ist und nicht blind einer Lehre folgt, die von ihren einzelnen Gliedern nicht verstanden, vertreten und verteidigt werden kann.

gemeinsam arbeiten & gemeinsam kämpfen

Gemeinsam kämpfen heißt sich organisieren und aktiv werden, die gesellschaftliche Vereinzelung und Passivität überwinden, Widerstand aufbauen und aus der gemeinsamen Praxis lernen. Seit unserer Gründung im Frühjahr 2009 versuchen wir uns in allen Bereichen für diese Ziele einzusetzen. Sei es durch gemeinsame Mobilisierungen, durch politische Bildungs- und Vernetzungsarbeit, durch Gewerkschaftsengagement, durch Interessenvertretung in Schulen, Hochschulen und Betrieben, durch Teilnahme an Demonstrationen, durch das Organisieren von zivilem Ungehorsam, Streiks, Blockaden, Besetzungen, Boykotten oder anderen Aktionsformen, bewähren kann sich die Theorie immer nur in der Praxis.

Es gilt eine gemeinsame revolutionäre Organisation aufzubauen, uns zu vernetzen, uns zusammenzuschließen! Gemeinsam kämpfen heißt für uns internationale, antirassistische Solidarität und konzentrierter Einsatz für eine andere Welt.

Für eine Welt, in der nicht mehr eine Minderheit die große Mehrheit ausbeutet und beherrscht und den größten Teil der knappen Ressourcen kontrolliert, eine Welt, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft ist, in der Solidarität und Kooperation an die Stelle von Konkurrenz, Verschwendung und Chaos treten, in der die Produktionsmittel allen gehören und ihre Anwendung demokratisch und planmäßig geregelt ist, für eine Welt also, in der die Produktion den Bedürfnissen der Menschen dient und nicht die Menschen den Bedürfnissen des Kapitals.

Da wir uns in der Tradition der Schöpfer des wissenschaftlichen Sozialismus – Karl Marx und Friedrich Engels – sehen, wollen wir das bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftssystem überwinden und erstreben stattdessen „eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

Gemeinsam kämpfen für eine Gesellschaft jenseits von Verwertungslogik und warenförmigen Beziehungen, für eine Gesellschaft, in der die Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend und nach ihren Bedürfnissen leben können, für eine Gesellschaft des Friedens und nicht der imperialistischen Kriege, für eine Gesellschaft der Gleichheit und nicht der Ausgrenzung, für eine emanzipierte, klassenlose Gesellschaft.

Sicherlich ist der Aufbau einer kommunistischen Organisation alles andere als einfach, insbesondere in Deutschland, wo der Antikommunismus (den schon Thomas Mann die “Grundtorheit unserer Epoche” nannte) die Rolle einer Art Staatsreligion spielt.

Gegen diesen antikommunistischen Konsens können wir nur ankommen, wenn wir es schaffen, kommunistische Theorie und Praxis so zu verbinden, dass in ihnen die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche jenes großen Teils der Menschheit ihren Ausdruck finden, der vom Kapitalismus kein gelingendes Leben zu erwarten hat.

Jeder und Jede ist aufgerufen sich an diesem Prozess zu beteiligen!

Die Marxistische Aktion Tübingen hat keinerlei parteipolitische Anbindung und ist daher nicht an ideologische Vorgaben irgendwelcher BerufspolitikerInnen gebunden – letztlich wird die Marxistische Aktion sein, was diejenigen, die sich in ihr organisieren, aus ihr machen.

Gemeinsam kämpfen für eine revolutionäre Perspektive! Für die soziale Revolution, für den Kommunismus!

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