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Internationaler Frauentag? Ein sozialistischer Kampftag!

Ob “Internationaler Frauentag”, “Tag der Werktätigen” oder “Tag der Sozialistin” – der 8. März hat sich im vergangenen Jahrhundert als ein bedeutendes Datum für den Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung weltweit etabliert und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum.

Ausgehend von den internationalen Arbeiterinnenprotesten in Textil- und Tabakfirmen riefen auf der ersten Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910 die sozialistischen Frauenbewegungen zu einem gemeinsamen Aktionstag auf. 17 Nationen beschlossen, diesen Tag alljährlich „mit internationalem Charakter“ zu organisieren.

1920 wurde im revolutionären Russland zur Ehrung der Frauen in der Februarrevolution der Tag auf den 8. März festgelegt. Obwohl sich auch die bürgerliche Frauenbewegung aktiv mit der Frauenförderung auseinandersetze, war diese schon immer sozialistisch geprägt und wurde unter anderem von Rosa Luxemburg (1870 – 1919) und Clara Zetkin (1857 – 1933) vorangetrieben. Wichtige Themen damals waren gemeinsame Proteste für ein Frauenwahlrecht und die Abschaffung der Klassenverhältnisse.

Und heute, in der kapitalistischen Gegenwart? Frauen, so suggerieren Politik und Medien, hätten es noch nie „so gut gehabt“: Karriere ist auch mit Kindern vereinbar, Frauen können alles werden – von der erfolgreichen Chirurgin bis hin zur Bundeskanzlerin. Allerorts gibt es Initiativen und Fördermaßnahmen für Frauen sowie zahlreiche rechtliche Grundlagen für Mutterschaftsurlaub, gleiches Entgelt und gegen sexuelle Belästigung. Mädchen sind erfolgreicher in der Schule und sehen besser aus. Was will frau mehr?

Die Ergebnisse verschiedener aktueller Studien sprechen jedoch eine andere Sprache:

Es herrscht Stillstand, von wahrer Chancengleichheit kann auch heute noch keine Rede sein. In Deutschland ist Gleichstellungspolitik vor allem symbolische Kulturpolitik und als solche der Zweckmäßigkeit der Klassengesellschaft unterworfen.

Nancy Fraser, Politikwissenschaftlerin und bekannte Feministin, vertritt die Auffassung, dass Frauen heute eine im kapitalistischen System doppelt bedrängte Gruppe sind: Sie leiden zum einen unter der vorherrschenden geschlechtlichen Arbeitsteilung und den dadurch entstehenden ökonomischen Benachteiligungen. Frauen verdienen nach wie vor nicht soviel wie Männer – nach Zahlen der EU im nationalen Durchschnitt rund 22% weniger. Zum anderen haben Frauen mit mangelnder Anerkennung in der gesellschaftlichen Statushierarchie zu kämpfen, beispielsweise durch die fehlende Wertschätzung der Reproduktionsarbeit, also vornehmlich Hausarbeit und Ehrenamt. Die vorherrschende neoliberale Marktwirtschaft wirkt sich besonders fatal auf das Leben von Arbeiterinnen aus, da diese der Abbau von Sozial- und Gesundheitswesen am stärksten betrifft.

Es ist deshalb falsch, einzig gegen die „fehlende Anerkennung“ von Frauen in der Gesellschaft zu wettern und gleichzeitig ökonomische Ausbeutung zu ignorieren, wie im heutigen – zum bürgerlichen „Mittelschichtsphänomen“ verkommenen – Feminismus üblich. Ebenso wenig reichen Zuschreibungsautomatismen vieler heutiger Feministinnen aus, die die Unterdrückung der Frauen zu einem Großteil bei den tyrannisierenden Männern verorten, unter denen die Frauen alle gleichermaßen zu leiden hätten. Es genügt nicht, das Aufbrechen von tradierten Rollenstereotypen und das Entlarven der Geschlechter als pure „Konstrukte der Gesellschaft“ zur einzig notwendigen Maßnahme zur Befreiung der Frauen zu erheben. Vielmehr muss das Problem als strukturelles Problem begriffen werden, und besagte gesellschaftliche Konstrukte müssen als das erkannt werden, was sie sind: Legitimationsmechanismen der herrschenden Ausbeutungsverhältnisse.

Frauenarbeit ist nicht einzig und allein Sache der Frauen. Zum einen kommt Gleichstellung nicht nur ihnen zugute, sondern sie betrifft die Zukunft der gesamten Gesellschaft. Zum anderen gibt es nicht einfach “die Frauen”, die alle dieselben Interessen haben – vielmehr haben sie weit gefächerte Lebensentwürfe, die in den verschiedenen Feminismustheorien oftmals nicht berücksichtigt werden. In marxistisch-feministischer Tradition ist der Platz der Frauen in der Gesellschaft weder naturgegeben noch unabänderlich: Feminismus stellt Frauen und Männer nicht zwangsläufig gegeneinander, sondern trägt dazu bei, Seite an Seite für gemeinsame Interessen zu kämpfen.

“Die Frauenfrage ist keine Frage an sich und für sich, die durch Reformen zugunsten des weiblichen Geschlechts auf dem Boden der kapitalistischen Wirtschaft und innerhalb der bürgerlichen Ordnung gelöst werden kann. Meiner Überzeugung nach ist die Frauenfrage nur ein Teil der großen sozialen Frage. Und sie kann nur zusammen gelöst werden, wenn das Proletariat den Kapitalismus zerschmettert im gemeinsamen Kampf aller Ausgebeuteten, aller Unterdrückten, ohne Unterschied des Geschlechts.” - Clara Zetkin (Aus: Für die Befreiung der Frau. Ausgewählte Reden)

Löst sich also mit der Überwindung des kapitalistischen Systems die ‚Frauenfrage’ automatisch? Vermutlich nicht von alleine. Sie kann jedoch aus einer klassenlosen Gesellschaft heraus unabhängig und differenziert angegangen werden, bis sich eines Tages über die Menschen sagen lässt:

„[Sie] werden sich den Teufel darum scheren, was man heute glaubt, was sie tun sollen; sie werden sich ihre eigene Praxis und ihre abgemessene öffentliche Meinung über die Praxis jedes Einzelnen selbst machen – Punktum.“ - Friedrich Engels (Aus: Der Ursprung der Familie, MEW Bd. 21)

Die Marxistische Aktion Tübingen setzt sich deshalb für eine gemeinsame Bewegung von Frauen und Männern ein, die für gleiche Rechte, gleichen Lohn und gleiche Bildungschancen kämpfen. Es ist wichtig, dass sich Frauen politisch engagieren, gegen bestehende Vorurteile und Einschränkungen wehren und gemeinsam – mit den Männern – nach dem Grundsatz “linke Politik ist feministisch oder sie ist nicht links!” in Aktion treten.

Für eine Gesellschaft, in der die gesamte Menschheit emanzipiert ist .

Für eine Überwindung des Kapitalismus! Für den Kommunismus!

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